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Werkstatt-Momente: 1. Die Welt umdrehen

Oft entstehen in der Erzählwerkstatt für scheinbar banale Situationen unerwartet kreative Lösungen, die den Geschichtenkosmos komplett verändern. Wie im ersten Beispiel aus der Reihe ausgewählter Erzählmomente: Die Erzählerin hat für einen ganz bestimmten Zweck einfach die ganze Welt auf den Kopf gestellt.


 

 

Die erste Karte war der Apfelbaum. Die Erzählerin ist noch mehr in Bildern als in Wörtern zu Hause. Sie malte mit Worten ein sehr simples, starkes Bild von einem Baum mit reifen Äpfeln, der auf einem Hügel steht. In der Mitte erinnerte mich die Szene an manche russische Animationsfilme, die mit sehr wenig Material auskommen und dabei eine Atmosphäre aufbauen, die man greifen und schmecken kann.

Da stand also der Baum und inzwischen hatte ein Gnom die Welt betreten, sich umgesehen und Lust auf einen Apfel bekommen. Er kam aber nicht ran. Und anstatt das Problem irgendwie aus der Welt zu schaffen, machte die Erzählerin etwas, das weder sie, noch ich noch der Gnom erwartet hätten: Sie stellte einfach ihre Erzählwelt auf den Kopf. Nun hing der Apfelbaum kopfüber "an der Decke" und dabei fiel ein Apfel runter. Die Zuhörer könnten jetzt fragen, wo denn nun oben und wo unten ist. Oder sich über die eigenartige Schwerkraft Gedanken machen. Oder sie können das einfach lassen und der Geschichte folgen.

 

Hier wird der logische Zusammenhalt der Erzählwelt ganz schön auf die Probe gestellt. Aber Geschichten halten das aus. Und wer das als Zuhörer nicht aushält, der darf sich gern fragen, ob er seine Vorstellungskraft nicht etwas entkrampfen möchte. Ideen zünden oft in dem Augenblick, wenn die Welt sich ein kleines bisschen oder auch komplett und vollkommen anders erweist, als wir es vorher wussten und erwartet haben. Aus den Brüchen und Unmöglichkeiten, die unter dem verkehrten Apfelbaum plötzlich im Raum standen, fließt die Kraft, die neue Ideen ins Rollen bringt, die Triebkraft für jede kreative Anstrengung: Neugier. Die schickt den Gnom auf eine Reise, die so nie jemand erwartet hätte. Vorher hat er aber in Ruhe seinen Apfel gegessen.

 

 

Es ist soweit: Nach mehr als zehn Jahren ist die Erzählwerkstatt fertig!

Und sie ist wunderschön geworden.

 

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