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Geschichten

Papa, woher kommt der Wind?


Habt ihr euch schonmal überlegt, wie es funktionier, ein Bilderbuch zu schreiben? Das ist besonders lustig, wenn der Autor nicht gleichzeitig der Illustrator ist. Denn dann stehen am Ende von all den Dingen, die der Autor sich ausgedacht hat, nur ein paar Wörter im Buch. Dabei gehört eigentlich zu der Erzählung viel, viel mehr.

Die Atmosphäre, die durch die Bilder transportiert werden soll, ist ein wichtiger Teil dessen, was sich bei der Entwicklung der Geschichte schon abzeichnen muss. Bei der Zusammenarbeit mit Illustratoren und Künstlern, zu der ich bisher vor allem mit Tinka und den Spielkarten Gelegenheit hatte, hab ich gelernt, dass es selten funktioniert, dem Künstler nur einen knappen Text auf den Tisch zu legen. Nur, wenn der Erzähler das Bild klar vor Augen hat, kann er dem Künstler helfen, etwas zu kreieren, das am Ende auch zu den Worten passt.

 

Hier meine Notizen zu einem Bilderbuch, das letztens spontan auf dem Fahrrad und an der Theke in der Schaubühne Lindenfels enstanden ist. Leider gibt es schon andere Bücher, die zu ähnlich sind. Daher hat die Geschichte, obwohl ich sie sehr mag, wohl wenig Chance, das LIcht des Buchmarkts zu erblicken.

 

 

Seite 1:

Motiv: Draußen auf dem Feld. Papa schläft mit dem Strohhut auf dem Gesicht unter dem Apfelbaum. Ein starker Wind weht. Der Sohn sitzt auf dem Dreirad und schaut einem Papierdrachen hinterher, den der Wind gerade entführt hat.

 

Der Wind ist ein frecher Dieb mit flinken Beinen.

 

Seite 2 :

Der Drachen weht hoch über den Apfelbaum.

 

Hinterherlaufen nützt dir nichts. Er springt über die Baumwipfel und lacht dich aus.

 

Vielleicht findest du heraus, wo er wohnt? Du kannst abends dort auf ihn warten und dann gibt er dir dein Spielzeug zurück. Oder du erzählst seinen Eltern, wie frech er war. Und sie schimpfen ihn ordentlich aus!

 

Seite 3:

Papa unterm Apfelbaum, hat immer noch den Sonnenhut auf dem Gesicht. Mit der einen Hand hält der den Hut fest, damit er nicht weggeweht wird. Mit der anderen zeigt er in die Ferne. Dort am Horizont beginnt der wilde Wald.

 

"Papa? Woher kommt der Wind?"

 

"Von dort," sagt Papa.

 

Seite 4:

Der Junge radelt auf dem Dreirad über die Hügel zum Wald. Apfelbaum und Papa schon weit in der Ferne.

 

Seite 5:

Hohe Bäume. Durch die Kronen fährt der Wind. In einem Busch sitzt ein Fuchs, jault und rüttelt an den dürren Stämmen.

 

Dort ist ein Wald, wo es raschelt und rauscht.

 

Seite 6:

Der Sohn auf dem Dreirad bleibt beim Fuchs stehen.

 

"Bist du der Wind?"

 

"Nein. Ich rausche und raschle.

Ich necke und erschrecke.

Und jeden Sonntag klaue ich im Dorf ein Hühnchen.

 

Seite 7:

Der Fuchs zieht das Dreirad am Lenker zu einen steilen Hügel hinauf und zeigt

nach vorn. Auf der anderen Seite liegt das Meer.

 

Aber der Wind? Der kommt von dort."

Seite 8:

Der Fuchs schiebt das Dreirad über den Hügel auf das Meer zu und winkt ihm hinterher.

 

Seite 9:

Nicht weit vom Strand sitzt ein dickes Seeungeheuer im Meer und spielt mit einem Spielzeugboot. Wrackteile liegen am Strand herum.

 

Dort ist das Meer,

wo es pustet und prustet.

 

Seite 10:

In einer Tonne paddelt der Junge mit dem Dreirad zum Seeungeheuer.

 

"Bist du der Wind?"

 

"Nein. Ich puste und pruste.

Ich tobe und woge!

Und hin und wieder versenke ich auch mal einen Dampfer.

 

Seite 11

Auf der anderen Seite des großen, weiten Meeres liegt eine fremde Stadt. Darauf zeigt das Seeungeheuer.

 

Aber der Wind?

Der kommt von dort."

 

Seite 12

Auf dem Rücken des Ungeheuers fährt der Junge mit dem Dreirad über das große, weite Meer zur fremden Stadt.

 

Seite 13

Über den Schwanz des Seeungeheuers rollt der Junge auf dem Dreirad auf die Kaimauer des Hafens. Im Hintergrund viele kleine Szenen, in denen getutet und getrötet wird. Autos an der Kreuzung, junge Leute mit einem Radio und eine Band mit Posaune und Tuba. Im Hafen liegt ein Dampfer.

 

Dort ist die große Stadt,

wo es tutet und trötet.

 

Seite 14

Der Junge rollt auf den Dampfer und bleibt vor den Gummistiefeln des Kapitäns stehen. Der zieht grade an der Dampfpfeife.

 

"Bist du der Wind?"

 

"Nein. Ich tute und tröte,

ich fahre das Meer hinauf

und dann wieder hinunter,

und gebe dabei gut Acht auf das Seeungeheuer.

 

Seite 15

Eine alte Seekarte mit dem Wind als pausbäckiger Riese.

 

Aber der Wind? Der kommt von dort."

 

Seite 16

Eine gepunktete Linie führt über die Seekarte von der großen Stadt bis auf die andere Seite der Welt, hoch nach Grönland.

 

Seite 17

Eine verschneite Poststation an einer eisigen Küste. Der Dampfer legt an einem Holzsteg an. Hinter der Poststation steht ein Postflugzeug. Ein Sack mit Briefen steht rum?

 

Eine kleine Poststation steht in Grönland,

wo es saust und braust.

 

Seite 18

In der Pilotenkanzel sitzt der Postbote. Ein Brief flattert aus dem Sack heraus.

 

"Bist du der Wind?"

 

"Nein. Ich sause und brause

hoch über den Wolken.

Ich kenne alle Länder, Städte und Dörfer

und bringe jeden Brief sicher ans Ziel.

 

Seite 19

Mit einer Hand fängt er den Brief auf, der gerade an ihm vorbei flattern will.

 

Aber der Wind? Der kommt von dort."

 

Seite 20

Das kleine Postflugzeug startet und fliegt mitten hinein in einen finsteren Wintersturm mit Wolken, Schnee und Hagel. Aus dem Fenster schaut der Junge nach unten, in der Hand einen Brief neben ihm sein Dreirad.

 

Seite 21

Der Postflieger landet auf einer grünen Wiese.

 

So vergeht ein langer Sommertag.

Wir wissen immer noch nicht, wo der Wind herkommt.

 

Seiter 22

Papa, schlafend mit Hut auf der Nase unterm Apfelbaum. Im Baum hängt der Drachen.

 

Aber Papa hat sich schon um alles gekümmert.

 

Seite 23

Hand in Hand gehen Papa und Sohn nach Hause. Das Dreirad trägt Papa in der Hand. Der Sohn hält den Drachen.

 

Und der Dieb?

 

Seite 24

Ein letztes Blatt weht über das Bild.

 

Der weht immer noch, wo er will.

 

Alternativ:

Der ist eigentlich gar nicht so ein schlimmer Kerl.

 

Aber das haben wir ja gleich geahnt.

Es ist soweit: Nach mehr als zehn Jahren ist die Erzählwerkstatt fertig!

Und sie ist wunderschön geworden.

 

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Tinka

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