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„DUNKEL, LILABRAUN“ – EIN PRAXISBEISPIEL FÜR NARRATIVE GEFÜHLSARBEIT

Die Erzählwerkstatt ist nicht nur ein Tool zum spielerischen Ideenfinden und für spontanes Geschichtenerfinden. Sie hat auch großes Potential für die persönliche Auseinandersetzung als Grundlage für inneres Wachstum und Gesundheit. Dieses Beispiel aus einer geführten Session mit freier Assoziation zeigt toll, wie Erzählprozesse in eine gesunde Haltung helfen.

Emotionen sind anstrengend. Oft so sehr, dass wir sie lieber wegpacken, runter drücken, einkochen und vergessen. Dann das Nächste gleich obendrauf.

Jeder von uns hat solche Verdrängungsräume. Das ist okay, sogar notwendig. Sie dürfen nur nicht überfüllt werden. Und wir sollten dort hin und wieder lüften und gut durchfegen. Allerdings tun das die Wenigsten von uns. Weil wir es nicht lernen. Eher das Gegenteil: Reinpassen. Glatte Oberfläche zeigen. Deckel drauf halten.

Bei den Einen explodiert es. Bei den Anderen nicht. Und die Dritten fassen Mut, sich mit dem Inneren Kram auseinanderzusetzen, und lernen, damit umzugehen.

So einen Raum nach langer Zeit aufzumachen und zu schauen, was da eigentlich drin ist, wie das zu meinem Leben gehört und wie ich damit umgehen will, ist kein Kindergeburtstag. Zumindest keiner von der netten Sorte mit Torte, Limo und Sonnenschein. Diese Emo-Arbeit ist anstrengend, tut oft mal weh und fasst sich anfangs gar nicht schön an.

Bogen zur Erzählarbeit. Dieses kurze Fragment entstand innerhalb von fünf Minuten bei einer Sitzung in freier Assoziation mit der Erzählwerkstatt. Da ich es in seiner Kompaktheit so beeindruckend fand, hat mir der Autor gestattet, es als Beispiel zu verwenden.

„Ich fühle mich.

Da sind Gefühle, angestaute, festgedrückte.

Dunkel, Lilabraun.

Irgendwas ist da drin gewachsen.

Ein vermüllter Kellereingang.

Vollgestopt mit Zeug.

Voll. Voll. Voll.

Nicht übervoll.

Es ist Bewegung drin.

Von mir, nicht nur von Parasiten.

Ungeziefer und dreckige Nagetiere.

Auch von mir. Ich räume, ich nehme heraus, ich prüfe, wäge, lege ab.

Ich löse auf.

Ich behalte und trage weiter.

Der Keller ist wohnlich geworden.

Es fehlt noch einiges.

Ich will es noch nicht meinen guten Raum nennen.

Aber es ist schon lange kein Keller mehr.“

Ich mag die Kurve, die das Bild nimmt. Ich kann bestätigen, dass die Wahrnehmung der erzählenden Person von ihrem Gefühlshaushalt die gleiche Wendung genommen hat, wie das spontan aufgebaute Bild. Es geht um die Veränderung des Bildes. Die wird bekräftigt durch Worte oder andere, äußere Spuren. Mit diesem bestürzend einfachen Mittel verändern wir unsere Perspektive, unsere Möglichkeiten, wahrzunehmen und zu fühlen. Es ist einfach. Das macht es noch lange nicht leicht. Doch wir können das lernen und bewusst machen. Wir sind unserer Art zu fühlen und wahrzunehmen nicht hilflos ausgeliefert. Ist das nicht aufregend? Um kreative Prozesse auf diese Weise für Wachstum und Heilung zu nutzen, braucht es eine geübte, innere Haltung. Ein Weg, die zu lernen, ist die Erzählwerkstatt.
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