Mein Ziel ist zum Greifen nah. Doch dazwischen ist noch eine Mauer. Eigentlich sind es drei verschiedene Mauern, die doch immer die selbe sind.

Die Storys von den drei Mauern sind mal als Social-Media-Post entstanden. Sie sind aber viel zu gut, um in einer Timeline zu versickern. Und nach wie vor so aktuell, dass ich diesen Text eigentlich alle paar Wochen selbst lesen sollte, um mich daran zu erinnern, was hinter diesen Mauern steckt.

Die Taschenmauer

Die Taschenmauer hab ich immer dabei. Ich hole sie mit gewohntem Griff aus der Hosentasche wie früher auf dem Schulweg meine verbeulte Blues Harp, mit der ich hart am Ruf des schrägen Vogels gearbeitet habe.

Ich stelle die Taschenmauer vor mich hin, wann immer ich ein Hindernis brauche, um nicht weiterzukönnen. Nach langem Laborieren, wenn das Hindernis heldenhaft überwunden ist, packe ich sie wieder ein, um sie bei der nächsten Gelegenheit wieder hervorzuholen.

Es würde mir fast wie Verrat vorkommen, sie einfach so in meiner inneren Landschaft zurückzulassen. Als würde ich meine Mundharmonika an der Bushaltestelle liegenlassen.

Die Litfassmauer

Diese Mauer ist endlos. Ich gehe daran entlang schon seit ich denken kann. Ich kann weder durch noch drüber, also gehe ich an ihr entlang. So lange schon und sie nimmt kein Ende. Mein Ziel, spreche ich mir zu, ist auf der anderen Seite dieser Mauer. Was, wenn die Mauer dick und rund wie eine Litfasssäule ist? Ist es vielleicht gar keine Mauer, sondern ein Turm, den ich in meine Landschaft gebaut habe, ein Leuchtturm oder ein Aussichtsturm? Was wäre, wenn ich die Hand davon lösen würde? Wohin würde ich dann gehen? Das frage ich mich und streichle mit der Handfläche zärtlich den warmen Beton.

Die Pergamentmauer

Die letzte Mauer ist dünn. Durchscheinend. Pergamentpapier.

Ich sehe dahinter, was ich mir schon immer wünsche. Dahinter ist das Land, das ich suche, das ich entdecken, erreichen, erschaffen wollte. Nur ein Hauch von hier nach dort. Zartes, dünnhäutiges Pergamentpapier. Mit einem Finger ließe es sich zerreißen.

Aber Mauer ist nun mal eine Mauer.

Innere Mauern, Hürden und Widerstände zu erkennen und mit ihnen umzugehen, habe ich mit der Erzählwerkstatt gelernt.

Mehr zu den sechs Prinzipien der Kreativität findest du hier.